Donnerstag, 20. November 2008

Archäologie und Linux

Seit das Betriebsysten Linux Anfang der 90er das Licht der Welt erblickt hat, ist es vom Aussenseiter zu einer echten Alternative zu Windows geworden. Besonders Nutzer, die viel im Internet unterwegs sind, schätzen das Betriebsystem. Mittlerweile wird fast jede Computerarchitektur unterstützt und die Installation erfordert auch keine fortgeschrittenen PC-Kenntnisse mehr. Besonders die Linuxvarianten (sog. Distributionen) Ubuntu und Opensuse schwimmen auf einer Welle des Erfolgs. Für einen normalen Computernutzer gibt es für fast jedes gebräuchliche Windowsprogramm eine Linuxalternative. Doch hier kommen wir auch schon zu den Schattenseiten: den wer nach Spezialsoftware sucht, schaut leider bei Linux noch häufig in die Röhre. Die Softwarehersteller sehen in den Linuxnutzern einen noch zu kleinen Markt, um eine Extra Linuxversion anzubieten.
Doch immerhin gibt es ja die Linuxcommunity, die versucht hier Abhilfe zu schaffen. So gibt es auch einige Archäologen unter den Linuxanhängern, die bei der Softwareentwicklung mitarbeiten. Ein solches Projekt ist ArcheOS, eine Distribution, die speziell für Archäologen entwickelt wurde. Die dort vertretene Software hat bereits einige gute Funktionen, allerdings ist sie für Speziallfälle, wie die vollständige Migration einer Grabungsfirma zu Linux nur bedingt geeignet.
Immerhin bieten Distributionen wie Ubuntu, auf die ArcheOS basiert, bereits einige gute Hilfsmittel. So sind beispielsweise Excel-Tabellen vollständig in OpenOffice importierbar und können auch wieder in dem Microsoft-Format ohne Formatierungsfehler exportiert werden. Auch die Erstellung von Präsentationen für Vorlesungen oder Vorträge ist mit OpfenOffice kein Problem. Sogar die Erstellung von 3D-Rekonstruktionen ist mit Linux (z. B. das Programm Blender) möglich. Für die Erstellung von Datenbanken hat man mit MySQL oder OpenOffice-Base viele Werkzeuge zur Hand. Sogar Windows-Software kann man mit Hilfe der Software Wine zum Laufen bringen. Hier sind allerdings schon fortgeschrittene Kenntnisse gefragt, da manche Programme nur mit bestimmten Startparametern laufen und sehr viele leider gar nicht. Doch die Unterstützung für Windows-Office-Programme ist bei Wine sehr gut.
Hier kommen wir aber auch schon zu den Defiziten. Das eine sind die Treiber. So sollte ein Computer bereits ein halbes Jahr und ein Notebook etwa ein Jahr auf dem Markt sein, da man bei einem nagelneuen Modell in Gefahr läuft, das einige Komponenten noch nicht richtig funktionieren. Diese Wartezeit kann man etwas verkürzen, wenn man den neuesten Kernel benutzt (Betriebsystem-Kern), doch hier sind ebenfalls etwas erweiterte Kenntnisse gefragt. Natürlich muss man dazu sagen, dass es auch neue Computermodelle gibt, die sofort umfassend unterstützt werden. So gibt es bei einigen Anbietern (z. B. Dell) auch PC's oder Notebooks mit vorinstallierten Linux. Das andere Problem ist ein speziell archäologisches, und zwar Tachymeter und Autocad. In Bezug auf die CAD-Software gibt es zwar bereits Linux-Programme (z. B. QCAD oder das kommerzielle VariCad), doch habe ich bisher noch keine Lösung gefunden, wie unter Linux Daten eines Tachymeters in ein Linux-CAD Programm importiert werden können. Ein Ansatz könnte Wine sein, doch es könnte sein, dass die nötigen Treiber für eine Verlinkung von einem Linux-Computer mit einem Tachymeter erst noch geschrieben werden müssen. Wer hier mehr weiss, ich bin für Kommentare immer offen.
Das ganze soll natürlich nur eine kleine Einführung sein, einige Details, wie z. B. Wine, kann ich ja noch in zukünften Beiträgen behandeln. Zunächst kann ich zum Abschluß sagen, dass in Fragen Sicherheit Linux eine sehr gute Wahl ist. Keinen Ärger mehr mit Viren und Würmern und auch die Programmabstürze machen einen nicht mehr das Leben schwer. Darüber hinaus ist Linux OpenSource, auf gut deutsch - umsonst. Lediglich vereinzelt gibt es kommerzielle Software, z. B. VariCad oder Distributionen, die Support beinhalten. Ich hoffe, ich habe manche neugierig auf Linux gemacht. Es gibt zwar noch einige Probleme mit Linux, aber die Community sorgt zunehmend dafür, dass diese beseitigt werden. Auch hilft diese große Gemeinschaft in Internetforen, wenn man einmal nicht mehr weiter weiss.

Update: Es gibt ein Betriebsystem-unabhängiges Programm namens "totalopenstation" (TOPS), das offenbar Daten von Tachymetern importieren kann. Es ist in den Debian und Ubuntu Quellen vorhanden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen