Samstag, 15. September 2012

Exkurs: Fundumstände

Um zu verstehen, wie schwierig das Thema "Out of Place Artifacts" für Archäologen ist, möchte ich hier auf einige Grundlagen eingehen. Das wichtigste, das ein Archäologe bei einem Fund gewinnen kann, sind Informationen. Auch wenn die Technik schon weit fortgeschritten ist, und Luftbildarchäologie oder Bodenradar schon seit Jahren genutzt werden, bleibt die Ausgrabung immer noch die wichtigste Quelle von Ur- und Frühgeschichtlichen Wissenschaftlern.

Wichtige Informationen kann man z. B. durch die Vergemeinschaftung mit anderen Funden gewinnen, deren Alter und Kulturzugehörigkeit bereits bekannt ist. Besonders ergiebig sind dabei Gräber, denn da weiss man sehr genau, dass die Funde aus einem Grab gleichzeitig sein müssen. Ein anderes Beispiel wäre eine Siedlung, in deren Überresten verschiedene Schichten zu finden sind. Hier kann man zumindest erschließen, welche Funde älter und welche jünger sind. Hinzu kommen noch naturwissenschaftliche Datierungen, wie die C14-Methode. Diese Spuren setzt der Archäologe wie in einem grossen Puzzle zu einem Bild zusammen. Wenn aber beispielsweise ein archäologischer Fund durch Raubgräber geborgen wird, werden diese Spuren zerstört und Informationen können, abgesehen von den bereits erwähnten naturwissenschaftlichen Datierungsmethoden, in der Regel nur aus dem Aussehen des Fundes selbst gewonnen werden. Dies ist aber mitunder leicht zu fälschen. Da solche "Funde" meist auf dem Schwarzmarkt verkauft werden und oft viel Geld im Spiel ist, zeigen die Fälscher oft eine nicht zu unterschätzende kriminelle Energie um den Fund so authentisch wie möglich aussehen zu lassen. Vor einigen Jahren war z. B. ein solches Fälscher-Netzwerk in Israel aktiv und hatte dabei so perfekt gearbeitet, dass die Experten die Fälschungen nur mit Mühe entlarven konnten.

Der langen Rede kurzer Sinn: wer sich mit "out of place artifacts" beschäftigt, bewegt sich auf unsicheren Terrain. Und doch ist es ein spannendes Thema, da sich immer wieder Archäologen zu Wort melden, und gesichert geglaubte Historie neu geschrieben werden muss.

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