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Antike Besiedlung auf den Azoren?

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Ruinen von Karthago


Im Internet kursieren gerade einige Artikel, die die Besiedlung der Azoren, einer Inselgruppe im Atlantik, im neuen Licht erscheinen lassen. Bisher war nur bekannt, das die Portugiesen die Inseln im 15. Jh. erstmals entdeckten. Doch nun kristallisiert sich immer mehr heraus, das bereits in früheren Jahrhunderten Seefahrer die Inseln besuchten. So will der portugiesische Archäologe Nuno Ribiero Spuren einer karthagischen Besiedlung aus dem vierten Jahrhundert v. Chr. gefunden haben. Von der punischen Stadt Karthago an der Küste Nordafrikas, einst eine Rivalin Roms, war bereits früher bekannt, das sich ihre Handelsrouten auch jenseits von Gibraltar an der Südküste Spaniens erstreckten. Doch eine Reise bis zu den Azoren hielt man bisher für unmöglich. Die frühen Seefahrer hielten sich meist an den Küstenverläufen und fuhren nur ungern über dem offenen Ozean.

Besonders der Atlantik war von Legenden umrankt. Die alten Griechen …

Erdställe

Was ist eigentlich ein Erdstall? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wenn sie ein gutes Lexikon zur Hand haben, finden sie vielleicht die Erklärung, dass es sich dabei um ein im Mittelalter gegrabenes unterirdisches Gangsystem mit kammerartigen Erweiterungen handelt. 
In Bayern ist vor allem die Bezeichnung „Schrazelloch“ verbreitet, da die Gänge stellenweise so eng sind, dass man sich nur vorstellen konnte, sie wären von Zwergen (Schrazeln) gegraben worden. Verbreitet sind sie in Bayern und Österreich, auffallenderweise meist an Orten, wo es keine natürlichen Höhlen gibt und sich der Untergrund für solche Anlagen eignet. Aber auch in Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn kennt man solche Stollen. Erdställe durchziehen oft labyrintisch Kirchberge, Friedhöfe und den Untergrund alter Siedlungsplätze. Typisch sind niedrige Gänge und Kammern, die durch äußerst enge runde Schlupflöcher miteinander verbunden sein können. Kennzeichnend ist auch der scheinbar irrationale A…

Exkurs: Fundumstände

Um zu verstehen, wie schwierig das Thema "Out of Place Artifacts" für Archäologen ist, möchte ich hier auf einige Grundlagen eingehen. Das wichtigste, das ein Archäologe bei einem Fund gewinnen kann, sind Informationen. Auch wenn die Technik schon weit fortgeschritten ist, und Luftbildarchäologie oder Bodenradar schon seit Jahren genutzt werden, bleibt die Ausgrabung immer noch die wichtigste Quelle von Ur- und Frühgeschichtlichen Wissenschaftlern.

Wichtige Informationen kann man z. B. durch die Vergemeinschaftung mit anderen Funden gewinnen, deren Alter und Kulturzugehörigkeit bereits bekannt ist. Besonders ergiebig sind dabei Gräber, denn da weiss man sehr genau, dass die Funde aus einem Grab gleichzeitig sein müssen. Ein anderes Beispiel wäre eine Siedlung, in deren Überresten verschiedene Schichten zu finden sind. Hier kann man zumindest erschließen, welche Funde älter und welche jünger sind. Hinzu kommen noch naturwissenschaftliche Datierungen, wie die C14-Methode. Dies…

Was sind "Out of Place Artifacts"?

In nächster Zeit werde ich mich einem Thema widmen, das schon vor einigen Jahren meine Neugier geweckt hat. Immer wieder erscheinen Bücher von Autoren die Informationen über "sensationelle archäologische Funde" versprechen und dabei kein gutes Haar an etablierten Experten lassen. Dabei fällt oft ein Begriff, die "out of place artifacts". Wörtlich übersetzt bedeutet es etwa "deplazierte Artefakte", was natürlich etwas sperrig klingt, so das die einschlägigen Autoren entweder den englischen Begriff benutzen oder die Abkürzung, "ooparts". Unter Archäologen wird diese Umschreibung so weit ich weiß allerdings nicht verwendet. Gemeint sind archäologische Funde, die nicht in das traditionelle Geschichtsbild passen.

Die veröffentlichten Funde reichen von versteinerten Hämmern, über Kermikgefäßen aus Millionen Jahre alten Kohleflözen bis hin zu angeblichen Knochen von Riesen. Einige Funde sind in Museen der amerikanischen christlichen Bewegung der "…