Das verschollene Grab Alexander des Großen



Vor ein paar Tagen bin ich auf die sehr interessante Geschichte des Alexandergrabes gestoßen. Alexander, der 323 v. Chr. starb, hatte ein Weltreich erobert und wurde in Alexandria in Ägypten bestattet. Ptolemäus, ein General Alexanders, hatte sich der Leiche bemächtigt und sie nach Ägypten gebracht, wo er Stammvater der Ptolemäerdynastie wurde. Das Grab wurde in der Antike von vielen berühmten Persönlichkeiten besucht, darunter Kaiser Augustus. Der antike Geograph Strabo schreibt wie einige andere römische Autoren über das Alexandergrab: „Ein (anderer) Teil des königlichen Gebäudes ist das soganannte Sema, ein umschlossener Raum, innerhalb dessen sich die Grüfte der Könige und des Alexander befinden.“ Diese Textstelle, die darauf hinweist, dass das Grab bei dem am Meer gelegenen Palast der Ptolemäer gelegen war, wurde immer wieder angezweifelt. Allerdings gibt es einen weiteren Hinweis, dass das Grab zumindest in der Nähe der Ptolemäergruft gelegen war. Sueton schreibt über den Besuch des Oktavian (Augustus): " ... als man bei ihm anfragte, ob er vielleicht auch die Gruft der Ptolemäer in Augenschein zu nehmen wünsche, gab er zur Antwort, einen König, nicht Leichname habe er zu sehen gewünscht." Heute liegt der Palast unter dem Meeresspiegel vor Alexandria. Erdbeben, denen auch der berühmte Turm Pharos zum Opfer fiel, haben zu Landabsenkungen geführt. Immerhin hat man inzwischen den Palast wiederentdeckt und einige Statuen geborgen. Weitere Untersuchungen des Gebietes sind aber teuer und aufwendig, also wird man wohl noch eine Weile warten müssen, bis das Rätsel des Alexandergrabes gelöst ist.


Ende des vierten Jahrhunderts nach Christus verliert sich die Spur des Grabes. Wahrscheinlich wurde sein Heiligtum von Christen zerstört, da zu dieser Zeit die alten Götterkulte im römischen Reich entgültig abgeschafft wurden und das Christentum sich als alleinige Religion etablierte. Zu Alexanders Gebeinen gibt es eine merkwürdige Theorie. So ist der heilige Marcus, der vermutlich ebenfalls in Alexandria bestattet wurde, der Stammvater der koptischen Kirche in Ägypten. Dessen Grab wird kurz nach dem Verschwinden des Alexandergrabes in den schriftlichen Quellen plötzlich wieder aufgefunden. Zu dieser Zeit war es nicht unüblich, alte Heiligtümer mit christlichen Heiligen in Verbindung zu bringen. Der Kult wurde sozusagen unter neuen Namen weitergeführt. Dadurch sollte den Menschen damals der Übertritt in das Christentum erleichtert werden.

Im 9. Jh. wurden die Gebeine des Marcus von venezianischen Kaufleuten aus Alexandria entführt und in die Lagunenstadt gebracht. Über seinem Grab wurde der Marcusdom errichtet. Liegt also unter dem Marcusdom in Wirklichkeit Alexander der Große begraben? Selbst wenn dies so wäre, gibt es einen Haken. Der heutige Marcusdom ist nicht die erste Kirche an dieser Stelle und im 10. Jh. wusste man offenbar nicht mehr genau, wo das Grab lag. Es wurde aber "wiedergefunden" und die Gebeine neuerlich bestattet. Bestätigen könnte man diese Theorie eigentlich leicht. Wenn die bestatteten Knochen unter dem Marcusdom tatsächlich mit den Gebeinen identisch sind, die aus Alexandria entführt wurden, könnte eine C14- in Verbindung mit einer DNA-Analyse Klarheit bringen. Die Frage ist nur, ob die Kirche zustimmen würde.

Wer des englischen mächtig ist, für den habe ich dieses Video: https://www.youtube.com/watch?v=daiiOCi6p9I

Update: Ich wollte noch hinzufügen, dass das Grab Alexanders so eine Art Dauerbrenner in der Archäologie ist. Immer wieder wird behauptet, dass das Grab gefunden wurde. Danach hört man nichts mehr davon. Allerdings möchte ich auch nicht verschweigen, dass es neue, interessante Entwicklungen gibt. So wurde vor wenigen Jahren ein Grabhügel, der bei Amphipolis in Griechenland liegt, ausgegraben. Es wurden offenbar vier Kammern entdeckt. Auf der Spitze thronte eine Löwenstatue, in den Kammern wurden diverse Statuen und zwei Sphingen geborgen. Man vermutet, das der Grabhügel aus der Zeit von 325 bis 300 v. Chr. stammt. Es wurde spekuliert, dass die Schwester oder Mutter Alexanders dort begraben wurden. Dies war der Stand 2014. Im Jahr darauf war man schon etwas klüger. Es wurde eine Inschrift entdeckt, wonach das Grab für Hephaistion, dem Freund und Geliebten Alexanders, errichtet wurde. Er war der zweite Mann im Reich und starb 324 v. Chr., nur wenige Monate vor Alexanders Tod 323 v. Chr. Das Grab beleuchtet einen interessanten Ausschnitt aus der Zeit der Diadochenkriege, die kurz nach Alexanders Tod ausbrachen.

https://www.welt.de/geschichte/article147104447/Riesengrab-fuer-den-Liebhaber-Alexanders-des-Grossen.html

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